Diktatfehler im Englischen: 8 Hörfallen für Deutsche

Nach jedem Diktat liegt vor Ihnen eine Liste rot markierter Stellen. Die meisten Lernenden zählen sie, ärgern sich kurz und machen weiter. Dabei sind Diktatfehler im Englischen keine Zufallsprodukte: Sie folgen Mustern, und jedes Muster verrät, an welcher Stelle Ihr Ohr noch deutsch hört. Wenn Sie noch nicht wissen, wie ein Diktat abläuft, beginnen Sie mit unserem Grundlagenartikel zum Englisch Diktat für besseres Hörverstehen. Und wenn Ihre Fehlerliste vor allem deshalb so lang ist, weil der Clip zu schwer war, hilft zuerst der Stufenplan für das Diktat nach Niveau.
In diesem Artikel geht es um den Schritt nach der Korrektur: Fehler richtig lesen, einer Hörfalle zuordnen und gezielt mit Shadowing beheben.
Diktatfehler lesen statt nur zählen
Jeder Fehler im Diktat gehört zu einer von drei Gruppen:
- Wortschatzfehler: Sie kannten das Wort nicht. Lösung: Vokabel lernen – kein Hörproblem.
- Schreibfehler: Sie haben das Wort richtig gehört, aber falsch geschrieben. Lösung: Rechtschreibung, ebenfalls kein Hörproblem.
- Hörfehler: Sie kennen das Wort, hätten es gelesen sofort verstanden – aber gehört nicht erkannt. Nur diese Gruppe ist interessant.
Markieren Sie die Hörfehler und ordnen Sie jeden einer der folgenden Hörfallen zu. Nach zwei Wochen haben Sie eine Strichliste – und sehen schwarz auf weiß, welche zwei oder drei Fallen Sie am meisten kosten. Genau dort setzen Sie mit Shadowing an.
Hörfalle 1: Schwachformen der kleinen Wörter
So sieht der Fehler aus: „I was waiting bus“ statt „I was waiting for the bus“. Wörter wie for, to, of, can, was, them fehlen einfach.
Was er verrät: Ihr Ohr erwartet die volle Form, wie im Wörterbuch. Im gesprochenen Englisch sind diese Wörter unbetont und schrumpfen auf den Schwa-Laut: for wird „fə“, them wird „əm“, was wird „wəz“. Im Deutschen werden Funktionswörter viel deutlicher gesprochen, deshalb fehlt die Erwartung.
Fix mit Shadowing: Nehmen Sie den Satz und sprechen Sie ihn erst übertrieben rhythmisch: nur die betonten Wörter laut, alles andere geflüstert. Dann mit dem Sprecher zusammen. Wer „fə“ selbst sagt, hört es beim nächsten Mal.
Hörfalle 2: Wortgrenzen und Bindungen
So sieht der Fehler aus: Fantasiewörter wie „pudid on“ statt put it on oder „a nicecream“ statt an ice cream.
Was er verrät: Deutsche Ohren suchen den Knacklaut vor Vokalen, der jedes Wort sauber abtrennt. Im Englischen gibt es ihn nicht: Endkonsonanten wandern zum nächsten Wort. Ihr Gehirn schneidet den Lautstrom deshalb an der falschen Stelle.
Fix mit Shadowing: Schreiben Sie die Stelle so auf, wie sie klingt („pu-ti-ton“), und sprechen Sie sie genauso nach – ohne Pause zwischen den Wörtern. Alltagsgespräche wie dieses Gespräch unter Muttersprachlern über Entweder-oder-Fragen sind voll davon und ideal zum Üben.
Hörfalle 3: verschluckte Endungen -s und -ed
So sieht der Fehler aus: „She work there“, „We stay at home“ statt she works there, we stayed at home.
Was er verrät: Endungen treffen oft auf den Anfangskonsonanten des nächsten Wortes und verschmelzen: In stayed_to hört man nur ein t. Ihr Ohr nimmt den Grundstamm wahr und ergänzt die Grammatik nicht.
Fix mit Shadowing: Übertreiben Sie die Endung beim Nachsprechen zuerst bewusst („work-S there“), dann schrittweise natürlicher. Parallel lohnt sich eine Kontrollfrage beim Diktat: Ist die Geschichte in der Vergangenheit? Mehrere Personen? Dann fehlt vermutlich etwas. Erzählungen im Präteritum wie dieser Podcast über das Kranksein in England liefern reichlich -ed-Formen.
Hörfalle 4: Zahlen, Daten und Namen
So sieht der Fehler aus: fifteen statt fifty, „the thirteenth“ statt „the thirtieth“, ein Name, der nach drei Hördurchgängen noch immer anders geschrieben ist.
Was er verrät: Bei Zahlen und Namen hilft kein Kontext – Sie müssen den Laut exakt treffen. Der Unterschied zwischen fifTEEN und FIFty liegt fast nur in der Betonung und im langen /iː/ am Ende. Im Deutschen kennt man diese Unterscheidung über die Betonung nicht.
Fix mit Shadowing: Sammeln Sie Zahlenpaare und sprechen Sie sie mit übertriebener Betonung. Prüfungsmaterial ist hier Gold wert, weil Zahlen, Uhrzeiten und buchstabierte Namen gezielt abgefragt werden – etwa in diesem vollständigen Hörtest im Cambridge-Prüfungsformat. Weitere Aufgaben finden Sie in der Sammlung zur Vorbereitung auf Cambridge-Prüfungen.
Hörfalle 5: Homophone
So sieht der Fehler aus: there statt their, right statt write, whether statt weather.
Was er verrät: Streng genommen ist das kein Hörfehler – Sie haben richtig gehört, aber das falsche Wort gewählt. Es zeigt, dass Sie beim Schreiben noch Wort für Wort denken statt in Sinneinheiten.
Fix: Schreiben Sie im Diktat erst den ganzen Satz, dann entscheiden Sie die Schreibweise. Beim Shadowing hilft es, auf die ganze Phrase zu achten: their car ist ein Block, over there ein anderer.
Die typisch deutschen Hörfallen
Die folgenden drei Fallen sind das Spiegelbild der typischen Aussprachefehler von Deutschen. Was man selbst nicht unterscheidet, hört man auch schlecht.
Hörfalle 6: v und w
So sieht der Fehler aus: vest statt west, vine statt wine, oder bei We visited steht „Ve wisited“ im Kopf, auch wenn Sie es richtig schreiben.
Was er verrät: Das Deutsche hat kein englisches /w/ mit gerundeten Lippen. Das Ohr ordnet beide Laute einer Kategorie zu. Minimalpaare im Diktat sind ein guter Test: Wenn Sie west und vest nicht sicher unterscheiden, trainieren Sie beim Shadowing vor allem die Lippen – rund bei /w/, Oberzähne auf Unterlippe bei /v/.
Hörfalle 7: Auslautverhärtung (bed – bet)
So sieht der Fehler aus: bet statt bed, back statt bag, price statt prize.
Was er verrät: Im Deutschen werden b, d, g am Wortende hart. Ihr Ohr tut dasselbe und sucht den Unterschied am falschen Ort. Im Englischen steckt er vor allem im Vokal davor: In bed ist das e deutlich länger als in bet. Beim Shadowing die Vokallänge übertreiben: „be-e-ed“ gegen ein kurzes „bet“.
Hörfalle 8: th
So sieht der Fehler aus: sink statt think, free statt three, oder ein fehlendes the, weil das schwache /ð/ im Satzfluss untergeht.
Was er verrät: Laute, die in der Muttersprache fehlen, werden dem nächsten bekannten Laut zugeordnet. Die Lautübungen im IPA-Training mit allen englischen Lauten helfen, /θ/ und /ð/ bewusst zu hören, bevor Sie sie im Satz nachsprechen. Einen strukturierten Überblick bietet auch die Seite zur präzisen englischen Aussprache.
Vom Fehlerheft zur Shadowing-Routine
So wird aus der Strichliste ein Trainingsplan für 20 Minuten täglich:
- Diktat (8 Minuten): 5–8 Sätze auf Ihrem Niveau, Hörfehler markieren.
- Zuordnen (2 Minuten): jeden Hörfehler einer Falle zuweisen, Strich in die Liste.
- Gezieltes Shadowing (8 Minuten): nur die Sätze mit Hörfehlern, jeweils fünfmal – erst langsam und übertrieben, dann im Originaltempo.
- Gegenprobe (2 Minuten): dieselben Sätze am nächsten Tag noch einmal diktieren.
Für die Gegenprobe eignen sich lockere Gespräche mit vielen Bindungen, zum Beispiel diese Hörübung über Fußball, oder alles aus den Übungsvideos auf Niveau B1. Nach drei bis vier Wochen sollte Ihre häufigste Falle deutlich seltener auftauchen – dann rückt die nächste auf Platz eins.
Häufige Fragen
Wie viele Fehler sind normal?
Etwa 20 bis 30 Prozent beim ersten Durchgang. Wichtiger als die Gesamtzahl ist die Verteilung: Sinkt der Anteil einer Falle, wirkt das Training.
Soll ich Wortschatzfehler ignorieren?
Nicht ignorieren, aber getrennt behandeln. Unbekannte Wörter gehören in die Vokabelliste, nicht ins Hörtraining.
Diktat und Shadowing auf ShadowingEnglish
Auf ShadowingEnglish prüft der Diktat-Modus Ihre Eingabe Wort für Wort und zeigt sofort, welche Wörter gefehlt haben – die perfekte Grundlage für Ihre Strichliste. Im Shadowing-Modus sprechen Sie dieselben Sätze nach, und die KI bewertet Ihre Aussprache mit Analyse jedes einzelnen Lauts: So sehen Sie, ob Ihr /w/, Ihr langes „bed“ oder Ihr „th“ wirklich sitzt. Machen Sie heute ein Diktat, ordnen Sie Ihre Fehler zu – und trainieren Sie morgen genau die Falle, die Sie am meisten kostet.

