ShadowingEnglishShadowingEnglish

Englische Aussprache: 7 typische Fehler von Deutschen

7 Min. LesezeitShadowing Team

Sie lesen englische Fachtexte ohne Wörterbuch, schreiben souverän E-Mails und verstehen Serien im Original – aber sobald Sie sprechen, hört man sofort: Hier redet jemand aus dem deutschsprachigen Raum. Das ist kein Grund zur Scham, doch es kostet Verständlichkeit. Die gute Nachricht: Die englische Aussprache deutscher Muttersprachler scheitert fast immer an denselben sieben Stellen. Diese Fehler sind vorhersehbar, weil sie direkt aus den Lautregeln des Deutschen stammen – und was vorhersehbar ist, lässt sich gezielt trainieren. In diesem Artikel lernen Sie jeden Fehler kennen, verstehen, warum er entsteht, und bekommen eine konkrete Übung dazu. Wie das Nachsprechen mit Audio grundsätzlich funktioniert, erklärt unser Einstieg in die Shadowing-Methode zum Englischlernen.

Warum Deutsche beim Englischsprechen auffallen

Deutsch und Englisch sind eng verwandt. Genau das ist die Falle: Viele Wörter sehen fast gleich aus („Hand“ – „hand“, „Wasser“ – „water“), also überträgt das Gehirn automatisch die deutschen Lautregeln. Drei Mechanismen sind dabei besonders stark:

Die Lösung ist deshalb nicht noch mehr Grammatik, sondern Hörtraining plus Nachsprechen: erst den Unterschied hören, dann ihn im Mund nachbauen. Einen strukturierten Überblick über alle englischen Laute finden Sie auf unserer Seite zur präzisen englischen Aussprache.

Die 7 häufigsten Fehler in der englischen Aussprache

1. Das „th“ wird zu s, z, f oder d

Der Klassiker. Aus think wird „sink“, aus this „zis“ oder „dis“, aus three „free“. Das klingt nicht nur nach Akzent, es verändert die Bedeutung: thank und sank, thick und sick sind verschiedene Wörter.

So geht es richtig: Legen Sie die Zungenspitze leicht zwischen die oberen und unteren Schneidezähne und blasen Sie Luft darüber. Für /θ/ (think) ohne Stimme, für /ð/ (this, the, mother) mit Stimme – Sie spüren dann ein Vibrieren an der Zunge. Im Spiegel muss die Zungenspitze kurz sichtbar sein. Die Einheit zu den dentalen Konsonanten /θ/ und /ð/ enthält Wortpaare mit Hörbeispielen.

Übung: Sprechen Sie langsam: think – sink, thick – sick, three – free, then – den. Danach einen Zungenbrecher wie „The thirty-three thieves thought that…“ zuerst in halber Geschwindigkeit, dann im Originaltempo nachsprechen.

2. W und V werden vertauscht

Weil das deutsche „w“ wie ein englisches /v/ klingt, sagen viele „vine“ statt wine und „vest“ statt west. Kurioserweise passiert dann oft die Überkorrektur: Wer sich das /w/ antrainiert hat, sagt plötzlich „wery well“ statt very well.

So geht es richtig: Für /w/ berühren die Zähne die Lippe nicht. Runden Sie die Lippen wie für ein kurzes „u“ und öffnen Sie sie schnell in den folgenden Vokal: w-ine ≈ „u-ain“. Für /v/ liegen die oberen Zähne auf der Unterlippe – wie beim deutschen „w“.

Übung: Minimalpaare wine – vine, west – vest, wheel – veal, worse – verse. Dann der Satz: We very rarely visit the west of Wales. Nehmen Sie sich auf und hören Sie, ob jedes /w/ rund und jedes /v/ „zahnig“ klingt.

3. Auslautverhärtung: aus „bed“ wird „bet“

Im Deutschen wird ein stimmhafter Konsonant am Wortende automatisch stimmlos: „Hund“ spricht man „Hunt“, „Tag“ spricht man „Tak“. Diese Regel heißt Auslautverhärtung – und sie ist der unauffälligste, aber hartnäckigste deutsche Fehler im Englischen. Bed klingt wie bet, dog wie dock, eyes wie ice, leave wie leaf.

So geht es richtig: Im Englischen hängt der Unterschied oft gar nicht am Konsonanten selbst, sondern am Vokal davor: Vor einem stimmhaften Konsonanten wird der Vokal deutlich länger. Bed hat ein gedehntes „e“, bet ein kurzes, abgehacktes. Konzentrieren Sie sich also auf die Länge, nicht auf das „weiche d“.

Übung: bad – bat, dog – dock, prize – price, leave – leaf, rides – writes. Lassen Sie den ersten Vokal jeweils bewusst doppelt so lange klingen.

4. Der Unterschied zwischen /e/ und /æ/ fehlt

Das Deutsche hat keinen Laut zwischen „e“ und „a“. Deshalb klingen bed und bad, men und man, pen und pan bei vielen Deutschen identisch. Im Gespräch führt das zu echten Missverständnissen – etwa wenn aus „I need a pen“ plötzlich eine Pfanne wird.

So geht es richtig: Für /æ/ öffnen Sie den Mund weiter als für „e“, der Unterkiefer fällt spürbar nach unten, die Zunge bleibt vorne und flach. Stellen Sie sich ein gedehntes, leicht „quäkendes“ ä vor. Die IPA-Einheit zu den Vokalen /e/ und /æ/ trainiert genau dieses Paar.

5. Das „s“ am Wortanfang wird stimmhaft

Im Hochdeutschen wird ein „s“ vor einem Vokal stimmhaft gesprochen: „Sonne“, „sehen“. Übertragen aufs Englische entsteht „zee“ statt see und „zo“ statt so. Umgekehrt wird ein englisches /z/ am Wortende durch die Auslautverhärtung stimmlos – his klingt wie „hiss“.

So geht es richtig: Englisches s am Wortanfang ist immer scharf und stimmlos, wie im deutschen „Straße“ oder „das“. Legen Sie beim Üben zwei Finger an den Kehlkopf: Bei see, sun, sorry darf nichts vibrieren.

6. Der harte Vokaleinsatz zerhackt die Sätze

Im Deutschen setzt vor jedem Wort, das mit einem Vokal beginnt, ein kleiner Knacklaut ein: „ein | Apfel“, „am | Abend“. Englisch verbindet dagegen die Wörter: an apple klingt wie „a-napple“, turn it off wie „tur-ni-toff“. Wer den Knacklaut ins Englische mitnimmt, spricht korrekt, aber abgehackt – wie ein Roboter, der Wörter einzeln abliest.

So geht es richtig: Ziehen Sie den letzten Konsonanten eines Wortes auf den Vokal des nächsten Wortes hinüber. Üben Sie: pick it up → pi-ki-tup, an hour ago → a-nou-ra-go, look at it → loo-ka-tit. Das Video zum lauten Mitlesen mit Fokus auf verbundene Sprache ist dafür ideal, weil der Text langsam und deutlich vorgelesen wird.

7. Jedes Wort gleich betont: das fehlende Schwa

Deutsche sprechen Funktionswörter wie to, for, and, can, was oft in voller Form aus: „tu“, „for“, „änd“. Muttersprachler reduzieren sie fast immer zum unbetonten Schwa /ə/: I want to go klingt wie „I wanna go“, fish and chips wie „fish’n’chips“. Englisch ist eine akzentzählende Sprache: Betonte Silben kommen in ungefähr gleichen Abständen, alles dazwischen wird zusammengedrückt.

So geht es richtig: Markieren Sie in einem Satz nur die Inhaltswörter (Nomen, Verben, Adjektive) und sprechen Sie alles andere schnell und leise. I’d LIKE a CUP of TEA – drei Schläge, nicht sieben.

Englische Aussprache verbessern mit Shadowing: ein 4-Wochen-Plan

Wissen allein ändert keine Aussprache. Die Muskeln im Mund brauchen Wiederholungen – am besten mit echtem Englisch statt isolierter Wörter. Genau dafür eignet sich Shadowing: Sie hören einen Satz und sprechen ihn direkt danach mit identischem Rhythmus, gleicher Melodie und gleichen Lauten nach. Wie Sie dabei vorgehen, beschreibt unser Überblick über Ausspracheübungen ausführlich. Hier ein konkreter Plan, der die sieben Fehler Schritt für Schritt angeht:

  1. Woche 1 – Einzellaute (th, w/v): Täglich 10 Minuten Minimalpaare, danach ein kurzes Video mit klarer Aussprache wie die 5-Minuten-Ausspracheübung für Vielbeschäftigte. Achten Sie nur auf die zwei Laute, nichts anderes.
  2. Woche 2 – Wortenden und Vokale: Auslautverhärtung und /e/–/æ/. Nehmen Sie sich bei jedem Satz auf und vergleichen Sie die Vokallänge vor dem letzten Konsonanten mit dem Original.
  3. Woche 3 – Verbindungen: Knacklaut abbauen, Wörter verbinden. Wählen Sie Videos auf Ihrem Niveau – für die meisten Lernenden mit Schulenglisch passt Niveau B1 gut: natürlich genug, aber nicht zu schnell.
  4. Woche 4 – Rhythmus und Melodie: Schwa und Satzbetonung. Jetzt shadowen Sie ganze Absätze, zum Beispiel mit der Shadowing-Übung für amerikanischen Klang, und versuchen, die Melodie wie ein Lied zu kopieren.

Wichtig ist die Reihenfolge beim Nachsprechen: erst einmal nur zuhören, dann mit Text mitlesen, dann ohne Text nachsprechen, zuletzt gleichzeitig mit dem Sprecher. Kurze, abgeschlossene Clips funktionieren besser als lange Vorträge – die Kategorie Englisch in einer Minute bietet genau solche Häppchen.

Typische Fragen deutscher Lernender

Muss ich meinen deutschen Akzent komplett loswerden?

Nein. Ziel ist Verständlichkeit, nicht Perfektion. Ein leichter Akzent stört niemanden. Aber die Fehler 1 bis 4 verändern Wörter und damit die Bedeutung – die sollten Sie beheben. Fehler 6 und 7 entscheiden darüber, ob Sie flüssig oder mühsam klingen.

Britisch oder amerikanisch?

Egal – Hauptsache konsequent. Wählen Sie ein Vorbild und bleiben Sie ein paar Wochen dabei. Beim „r“ zum Beispiel unterscheiden sich beide Varianten deutlich, beim „th“ und „w“ überhaupt nicht.

Wie merke ich, ob ich Fortschritte mache?

Das eigene Ohr ist unzuverlässig, weil es genau die Unterschiede überhört, die es nie gelernt hat. Deshalb sind Aufnahmen und eine objektive Rückmeldung so wertvoll: Wenn eine Software Ihr think als „sink“ erkennt, wissen Sie sofort, woran Sie arbeiten müssen.

Fazit: sieben Baustellen, ein Werkzeug

Die englische Aussprache von Deutschen ist erstaunlich berechenbar: th, w/v, Auslautverhärtung, /æ/, das stimmhafte s, der Knacklaut und das fehlende Schwa. Wer diese sieben Punkte kennt, kann gezielt üben, statt allgemein „besser sprechen“ zu wollen. Nehmen Sie sich pro Woche ein bis zwei Baustellen vor, shadowen Sie täglich 15 Minuten und hören Sie sich regelmäßig selbst zu.

Probieren Sie es gleich aus: Auf ShadowingEnglish üben Sie Shadowing mit Videos Satz für Satz, und die KI bewertet Ihre Aussprache bis auf den einzelnen Laut. Sie sehen sofort, ob Ihr „th“ wirklich ein /θ/ war oder doch ein „s“ – und welcher Vokal noch zu kurz ist. Registrieren Sie sich kostenlos und starten Sie mit Ihrem ersten Video.

Jetzt üben

Wähle ein Video und shadowe es Satz für Satz – der schnellste Weg, diese Tipps in echtes Sprechen umzusetzen.